Die Geschichte der Blaskapelle Marlach e.V.

Schon lange vor der eigentlichen Gründung einer Musikkapelle 1878 wurde in Marlach musiziert. Die Musik und der Gesang wurden damals vor allem in den Gottesdiensten gepflegt. Das vermutlich unter der Leitung von Josef Ehrler ins Leben gerufene Kirchenorchester begleitete den damals bestehenden gemischten Chor. Bereits 68 Jahre vor der Gründung der Blaskapelle wurden seitens der Kirchengemeinde Instrumente, nämlich 2 Trompeten und 2 Violinen angeschafft.

Im Jahre 1878 entstand dann aus dem Gesangverein eine eigenständige Blaskapelle unter der Leitung von Andreas Schiemer, Bäckermeister, Land- und Gastwirt zur Traube. Offensichtlich war hier bereits ein entsprechendes Niveau der Kapelle vorhanden, oder aber man war durch entsprechenden Probenfleiß schon bald in der Lage öffentlich aufzutreten. So berichtet die Reuthersche Chronik über das 10 jährige Papstjubiläum von Leo XIII, dass es an Gesang und Musikvorträgen nicht gefehlt habe. Aber auch außerhalb Marlachs war die junge Kapelle bereits unterwegs. Einem Ballbericht aus Schöntal von 1889 ist zu entnehmen:

Am letzten Montag hatten wir hier Ball. Derselbe verlief in höchst gemütlicher Weise. Wozu einige, unter der Beteiligung von alt und jung ausgeführten Spiele das ihrige beitrugen. Wie sehr befriedigt sich die Teilnehmer fühlten, beweist der fast allseitig geäußerte Wunsch, es möchte sich eine solche gesellige Vereinigung recht bald wiederholen. Küche und Keller des Herrn Posthalters Blattau haben nur ihren alten guten Ruf bewahrt. Die Leistungen der Marlacher Musikkapelle waren recht befriedigende.

Am 15. März 1901 konnte die Eröffnung der Bahnstrecke gefeiert werden. Aus der Reuterschen Chronik stammt ein Bericht zu diesem Ereignis

... Jung und alt hatte sich zu seiner Begrüßung an dem Perrin des Bahnhofes eingefunden. Unter den Klängen des König Karl Marsches unserer Musikkapelle fuhr die mit Kränzen geschmückte Lokomotive in den Bahnhof ein.

Bis in die dreißiger Jahre leitete Eugen Reuther die Blaskapelle, der dann von Anton Möhler II abgelöst wurde. Die Proben wurden fast ausnahmslos auf primitivste Art meist im Wohnhaus des Dirigenten abgehalten. Die Instrumente waren wohl angesichts der wirtschaftlichen Lage in den zwanziger und dreißiger Jahren in bedauernswertem Zustand. Dem Schöntaler Heimatbuch ist zu entnehmen:

Der erste Weltkrieg brachte auch das Vereinsleben fast zum Erliegen. Und im Gegensatz zum Gesangverein gab es zu den Aktivitäten der Blaskapelle kaum Aufzeichnungen. Dennoch konnten aus anderen Aufzeichnungen interessante Berichte zur Blaskapelle entnommen werden.

Zu Beginn des zweiten Weltkrieges fand am Waldrand zum Sershof eine große Sonnwendfeier statt. Mit nur zehn Musikern hat man Marschmusik den Berg hinauf gespielt. Bei Prozessionen während des Krieges spielte man teilweise nur mit 4 Mann Besetzung.

1944 fand die Beisetzung des langjährigen Dirigenten Eugen Reuther statt. Die Kapelle spielte die Choräle "Wo findet die Seele" und "Ich hatt' einen Kameraden".

Unmittelbar nach dem Krieg musste sich die Marlacher Blaskapelle registrieren lassen. Hierzu fuhr man mit einem Leiterwagen nach Bad Mergentheim. Aber offensichtlich gab es auch in dieser Zeit Probleme mit den Instrumenten. Die Klarinette von Simon Gieswein wollte partout nicht ansprechen und kurz entschlossen und überaus erfolgreich weichte er dieselbe in der Küche der Gastwirtschaft ein.

Um der Anerkennung der Jury entsprechenden Nachdruck zu verleihen, wurde unter dem Tisch 1 Karton Eier überreicht und der Registrierung stand nichts mehr im Wege. Der vorgetragene Marsch "Friedensgruß" hatte darauf hin lange Zeit den Titel "Eiermarsch".

Bereits Anfang der fünfziger Jahre war die Kapelle auch außerhalb unterwegs. Bei mehreren Tanzveranstaltungen in Hohebach traten die Musiker aus Marlach auf.

1949 Die Marlacher Kapelle tritt beim Sängerfest in Sindeldorf auf.

1953 wirkte die Kapelle beim Sängerfest des Marlacher Gesangvereines in folgender Besetzung mit:

Simon Gieswein
Anton Metzger
Josef Möhler
Ludwig Ehrler
Walter Schiemer
Alois Wolpert
Albert Ehrler
Anton Möhler
Josef Vohmann

1954 Bei der Einweihung der Altdorfer Wasserleitung war die Kapelle ebenfalls vertreten. Nach Überlieferung löschten die Musikanten ihren Durst nicht mit dem Wasser aus der Leitung sondern sprachen teilweise sehr stark dem Alkohol zu. Dies hatte zur Folge, dass man kaum noch spielfähig war.

1962 übernahm Anton Metzger die Leitung der Blaskapelle und konnte schon bald das Niveau das Kapelle steigern, was sicherlich nicht nur an der Anschaffung von neuen Instrumenten lag.

Von 1964 bis 1972 war Alfred Seibold aus Künzelsau Dirigent der Marlacher Blaskapelle, verstärkt durch Familienmitglieder. Der rührige Musiker legte durch gezielte Ausbildung, die teilweise immer noch unter schwierigen Bedingungen stattfand, den Grundstein für die heutige Formation. Zunächst musste sich die Kapelle mit Aktiven aus den Reihen der Nachbarvereine verstärken, kam aber dann bald auf eigene Beine. Unter der Leitung von Alfred Seibold gelang es dann auch, dass die Kapelle erstmals in einer eigenen Uniform auftreten konnte, die unter großer Beteiligung der Marlacher Bevölkerung angeschafft wurde.

1972 übergab Alfred Seibold den Dirigentenstab an Alois Möhler, der seine Bundeswehrzeit als aktiver Musiker im Heeresmusikkorps absolvierte. Unter seiner Regie entwickelte sich die Kapelle weiter und war über die Ortsgrenzen hinaus eine gefragte Formation. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden wurde im Jahr 1975 ein Vorstand und Ausschuss gewählt, nach dem zuvor verschiedene engagierte Musiker die Geschicke des Vereins leiteten. Zum ersten Vorsitzenden wurde Ottmar Ehrler gewählt, sein Stellvertreter war Ludwig Kuhn. Von nun an wurden regelmäßig Protokolle angefertigt und Ausschusssitzungen durchgeführt.

Im Mai 1975 wurde die erste Uniform durch Kniebundhosen ergänzt und später abgelöst. In die Amtszeit von Ottmar Ehrler fiel das wohl bisher ereignisreichste Jahr 1978. Neben zahlreichen kirchlichen und weltlichen Auftritten war zweifellos das erste und bisher einzige Musikfest in Marlach das Ereignis.

Nach einer relativ kurzen Planungsphase von nicht einmal einem Jahr wurde das Musikfest vom 30. Juni - 3. Juli 1978 gefeiert. Am Freitag Abend spielte die Stadtkapelle Krautheim und der Musikverein Hüngheim zur Eröffnung des Festes auf. Am Samstag veranstaltete die Jubiläumskapelle einen Heimatabend, zu dem sich viele Bürgerinnen und Bürger sowie ehemalige Einwohner und Musiker getroffen haben. der stellvertretende Vorsitzende des Blasmusikverbandes Herr Meinrad Mayer konnte zahlreiche Ehrungen für 10, 20 und 30-jährige Musiker vornehmen. Am Festakt nahm auch der Gesangverein Marlach teil.

Der Festgottesdienst wurde von Pfarrer Ottmar Möhler zelebriert, bevor die Blaskapelle Westernhausen/Winzenhofen zum Frühschoppen aufspielte. Am Festzug nahmen insgesamt 16 Gastkapellen teil, die anschließend im Zelt noch Kostproben ihres Könnens gaben. Der Höhepunkt des Festes war sicherlich das Konzert der Original Burgenlandkapelle und der Leitung von Robert Payer. Ihren großen Tag hatten die Kinder am Montag, bei dem ein Kinderfestzug stattfinden konnte. Den Abschluss bildete dann die Trachtenkapelle Stuppach.

Als weitere Höhepunkte kann man im Jubiläumsjahr Funk- und Fernsehauftritte nennen. Der erste Auftritt führte in diesem Zusammenhang nach Bieringen wo die Sendung "Klang und Sang aus Stadt und Land" aufgezeichnet wurde. Nach einem erfolgreichen Start im Rundfunk war der Sprung ins Fernsehgeschäft nicht mehr weit. Bei der Sendung von Maria Hellwig "Fahrt ins Blaue" wirkte die Blaskapelle beim Einzug mit, wenn gleich der Aufwand in keinem Verhältnis zur Sendedauer von einigen Sekunden stand.

Unmittelbar nach dem ereignisreichen Jahr ging es steil bergauf und die zahlreichen Auftritte führten die Musiker in umliegende Ortschaften. Dieser Aufschwung war nicht zuletzt durch den Einsatz einer Verstärkeranlage und die Gründung des ersten Gesangsduos möglich. Ottmar Ehrler und seine Frau Hannelore ergänzten die Blaskapelle in harmonischer Weise und die Kapelle war in dieser Zeit landauf und landab sehr gefragt. Nicht selten hatten die Musiker an einem Wochenende zwei oder drei Termine zu bewältigen. Auftritte in Herbsthausen beim Bockbierfest waren ebenso selbstverständlich wie die Teilnahme an der Herbstmesse in Krautheim. In dieser ereignisreichen Zeit war der junge Vorsitzende Anton Kuhn immer wieder gefordert, die Truppe zu motivieren und zu fordern.

1985 nahm die Kapelle erstmals an einem Wertungsspielen teil und die Mühen der vorausgegangen Proben hatten sich gelohnt. Mit de Stücken "Lyrischer Prolog" und "Klingendes Land" errang die Kapelle unter der Leitung von Dirigent Alois Möhler und Ihrem Vorsitzenden Ludwig Walter einen ersten Rang mit Belobigung.

Der damalige Vorstand Ludwig Walter fasste die Ereignisse in einem Bericht zusammen und veröffentlichte diesen im Schöntal aktuell. Einige Tage später tauchte der Bericht dann plötzlich in der Hohenloher Zeitung auf.

In der Bewertung der Wertungsrichter heißt es unter anderem:

... Bei nur 4 Klarinetten ist es schwer eine zufrieden stellende Klangbalance herzustellen. Die Marlacher unter ihrem tüchtigen Dirigenten versuchten das Beste aus der gegebenen Situation zu machen .... Das Thema im Takt 85 sollte im Charakter fröhlicher sein. Die Tiroler können das doch so gut ...

Einen schweren Rückschlag musste die Blaskapelle Marlach im Jahre 1988 hinnehmen, als der langjährige Dirigent Alois Möhler den Dirigentenstab an den berühmten Nagel hing. Dem inzwischen gewählten Vorstand Ludwig Kuhn gelang es, den Vorgänger Alfred Seibold erneut ins Jagsttal zu holen. Auch in dieser Zeit gab der "neue" Dirigent wieder Impulse und baute die Kapelle hinsichtlich konzertanter Blasmusik weiter aus.

Durch die Ausbildung konnte man 1990 auf eine stattliche Anzahl von Jungmusikern zurückgreifen. Nachdem in diesem Jahr das Jugendkritikspiel in Ingelfingen stattfand, nahm man die Gelegenheit wahr und nahm zum ersten Mal an einer solchen Veranstaltung teil. Mit den Tanzlied - Variationen "Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann" erreichten die Jungmusiker in der Stufe "Mittelschwer". die Note "Gut". Im Jahre 1991 wurde auch ein Frühjahrskonzert veranstaltet das großen Anklang bei den Besuchern in der Festhalle fand.

Im Herbst wurden Kontakte zu einer befreundeten Kapelle aus der Gegend um Pforzheim geknüpft. Dem Musikverein Dürrn wurde anlässlich des dortigen Weinfestes ein Besuch abgestattet und teilweise schon vor Beginn des eigentlichen Auftritts zeigte der Spätburgunder bei einigen Aktiven seine Wirkung.

Im November des selben Jahres gibt Alfred Seibold zum zweiten Mal die Stabführung ab. Nachfolger ist der erst 23 Jahre junge Musiker Günter Schmierer aus Berlichingen.

1992 findet das erste Herbstfest in der Mehrzweckhalle in Marlach unter Mitwirkung der Kapelle aus Dürrn statt. Das in diesem Jahr erprobte Konzept, Konzerte mit befreundeten Kapellen aus der weiteren Umgebung zu veranstalten hatte sich auf Anhieb bewährt und wurde in den Folgejahren unter der Führung des heutigen Vorsitzenden Werner Ehrler zum festen Bestandteil im kulturellen Leben Marlachs.

Bereits ein halbes Jahr später am 30. April und 1. Mai 1993 fand, damals unter chaotischen Bedingungen, das erste Maifest vor der Halle statt. Ebenfalls in diesem Jahr wurde der Probenraum in der ehemaligen Schule und jetzigem Kindergarten fast ausschließlich in Eigenleistung gründlich renoviert. Nach dem in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre das Gesangsduo Ehrler nicht mehr auftrat, war man seit dieser Zeit immer wieder bestrebt, erneut mit Gesang auftreten zu können. Ein Erfolg versprechender Beginn im Jahre 1993 mit Ute Kilb und Jürgen Kuhn musste aus Zeitgründen bald wieder aufgegeben werden.

1994 gelang auch hier wieder der Durchbruch, nach dem mit Michaela Kapp eine neue Sängerin gefunden werden konnte. Zusammen mit Jürgen Kuhn wurde das Repertoire in der Zwischenzeit weiter ausgebaut und umfasst heute neben volkstümlichen Texten auch englische und moderne Stücke. Zum Straßenfest in diesem Jahr präsentierte sich die Blaskapelle erstmals in den lang ersehnten Lederhosen und den dazu passenden Trachtenjacken.

Zusammen mit den Schöntaler Vereinen wurde im Jahr 1997 eine CD produziert. Die Blaskapelle ist mit dem Stück "Der alte Dessauer" vertreten, Solist mit der Trompete war Jürgen Kuhn.

Das Jahr 1998 stand ganz im Zeichen der Vorbereitungen für das Jubiläum. In diesem Zusammenhang wurde das Erscheinungsbild der Kapelle weiter verfeinert. Das im Rahmen der Feierlichkeiten veröffentlichte eigene Vereinswappen ist nun durchgängig auf Jacken, Notenpulthängern, Sweatshirts und Briefbögen vertreten, nachdem man sich zuvor am Ortswappen von Marlach bzw. Gemeindewappen Schöntals orientierte. Trotz der enormen Vorbereitung konnte die Kapelle auf mehreren Veranstaltungen außerhalb der Ortschaft mitwirken. Selbst lieb gewonnene Veranstaltungen wie das alljährliche Grillfest und ein zweitägiger Ausflug ins Oberschwäbische kamen nicht zu kurz.

Über viele Jahrzehnte hinweg ist die Blaskapelle, wie auch im Jubiläumsjahr ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Marlach. Neben zahlreichen kirchlichen und weltlichen Veranstaltungen ist vor allem das alljährliche Herbstfest der musikalische Höhepunkt im Verein und in der Ortschaft. Die Mitglieder der Blaskapelle hoffen, auch Zukunft dem hohen Anspruch gerecht zu werden und freuen sich über möglichst viele Nachwuchsmusiker.